In seinen heutigen Grenzen besteht Portugal seit dem Jahr 1139. Damit ist es das älteste Land Europas. Portugals Blütezeit war das 14. - 16. Jahrhundert. Portugiesische Seefahrer brachen auf zu zahlreichen Erkundungsfahrten und entdeckten dabei wichtige See- und Handelswege. Heinrich der Seefahrer und Vasco da Gama sind die bekanntesten unter ihnen. Ende des 16. Jahrhunderts verlor Portugal seine Eigenständigkeit an Spanien. 60 Jahre später gewann es diese mit Hilfe der Engländer wieder zurück.
Die großen Jahre Portugals waren schon vorbei, als ein starkes Erdbeben am 01. November 1755 das Land erschütterte, bei dem nicht nur große Teile Lissabons völlig zerstört wurden (siehe Videolink unten). Obwohl es als eines der letzten europäischen Länder bis in die 1970er Jahre trotzig an seinen Kolonien festhielt, musste es Brasilien schon 1820 in die Unabhängigkeit entlassen. 1999 wurde schließlich die Insel Macau an die Chinesen zurückgegeben.

Nachdem die portugiesische Monarchie Anfang des 20. Jahrhunderts untergegangen war, folgten 20 Jahre als Republik, die von politischer Instabilität und von zahllosen, wechselnden Regierungen gekennzeichnet waren. Ab den 1930er Jahren bis 1974 wurde Portugal diktatorisch regiert. Regime kritische Menschen wurden während der Diktatur Salazars verfolgt, gefoltert und inhaftiert.
1974 kam es zur friedlichen Nelkenrevolution und erneuten Republikgründung. Anfänglich sehr sozialistisch geprägt. Seit 1986 ist Portugal Mitglied der Europäischen Gemeinschaft. Außerdem war es ein Gründungsmitglied der NATO.
Heutzutage ist es ein ganz normales, europäisches Land -selbstverständlich mit (s)einer eigenen Note. Seit den 1990er Jahren wurde seine Infrastruktur ausgebaut und erneuert, sodass es heute über ein gut ausgebautes Fernstraßennetz verfügt; Autobahnen größtenteils mautpflichtig. Parallel dazu nahm auch der Wohlstand zu. Allerdings folgt diesem wirtschaftlichen Boom -insbesondere von 1995-2005- seit der Finanzkrise 2009 ein für weite Teile der Bevölkerung spür- und fühlbarer Rückgang. Portugal musste, um einerseits liquide bleiben zu können, unter den europäischen Rettungsschirm und gleichzeitig schmerzliche, soziale Reformen einleiten, damit es mittelfristig seine Finanzlage wieder in den Griff bekommt. Zwar wurde und wird den portugiesischen Bemühungen großes Lob gezollt. Aber es war für viele Portugiesen eine sehr schwere und auch entbehrungsreiche Zeit. Jederzeit konnten Rückschläge, wie im Sommer 2014, alle Bemühungen wieder zerstören; was bei den Menschen neben Enttäuschung auch die Verärgerung über ihre Politiker steigerte.
Nach meinen Beobachtungen lagen die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten, bis zur Finanzkrise 2009, etwas unter denen in Deutschland, bei etwa 90%. Und die durchschnittlichen Einkommen bei etwa 65- 70% des deutschen Niveaus.
Seit 2009, auch durch zahlreiche Verbrauchssteuererhöhungen verursacht, liegen die Lebenshaltungskosten im Verhältnis zu Deutschland immer noch bei etwa 90-95%, hingegen ist das Einkommensniveau um gut ein Drittel gesunken. Ich würde sagen, 2014 lag es bei etwa 50-60%. Zahlreiche Portugiesen mussten sich nach 2009 jahrelang mit mehr als einem (schlecht bezahlten) Job über Wasser halten.
2018 hat sich die Situation der Menschen verbessert - für mich war das sichtbar. Zwar ist man noch nicht wieder da, wo man vor der Krise stand (und um ehrlich zu bleiben, muss man anmerken, dass damals auch zu Vieles (privat wie öffentlich) auf Pump finanziert war). Allenthalben ist jedoch zu sehen, dass Häuser weiter- oder sogar neue gebaut werden. Wenn man mit den Menschen spricht, erfährt man, die Auftragslage sei wieder so gut (z.B. bei Handwerkern), dass man mehr Aufträge erhält, als man abarbeiten kann und die Kunden manchmal warten müssen. Bspw. hat auch der Tourismus zugenommen, da andere Reiseländer, aufgrund politischer Instabliltät, nicht mehr als sicher erachtet werden oder unbeliebt geworden sind. Ich empfand die Stimmungslage der Menschen so optimistisch wie lange nicht mehr. Manche erzählten, sie haben bessere Jobs gefunden usw..
Ich wünsche den Portugiesen und Portugal, dass dieser Weg der Erholung anhält und - zumindest was die Gesamtlage und -richtung betrifft - es weiter bergan geht.
(letzte Aktualisierung Oktober 2018)

Mein Portugal, das ist die Region um das Städtchen Torres Vedras, etwa 55 km nördlich der Hauptstadt Lissabon. Genauer gesagt, die Gemeinde (portug. für: freguesia) São Pedro da Cadeira, ein kleiner Ort in der Region Oeste (portug. für: Westen), der seit meinem ersten Besuch seitdem um das mind. Doppelte gewachsen ist.
Auf dem Bild links sieht man die neuerdings an den Gemeindegrenzen aufgestellten, großen Willkommenstafeln und auf dem rechten Bild S. Pedro d. C. aus Richtung Coutada oder Silveira kommend.
Ich war sehr aufgeregt, als ich das erste Mal nach Portugal fuhr. Ich wusste nicht viel über das Land. Heute ist es mir zu einer zweiten Heimat geworden.

So wie auf dem Bild links unten sahen damals noch viele Straßen aus. 2007 sah diese Szenerie wie auf dem Bild rechts unten aus. Beide, wie auch die Landschaftsaufnahme, stammen aus der Gegend um Sintra/Mem Martins.

Mem Martins grenzt unmittelbar an das Städtchen Sintra. Sintra liegt etwa 40 km südlich von São Pedro. Das bekannteste und berühmteste dort ist natürlich das Schloss der portugiesischen Könige -Palácio Nacional da Pena-, das auf dem Gipfel eines steil aufsteigenden Hügels liegt.
Von dort oben genießt man einen atemberaubenden Blick über das Land. Gut zu erkennen, der maurische Einfluss im Baustil des Schlosses.

Am Fuße des Hügels (links) gibt es eine Wasserstelle, an der die Bewohner frisches Wasser zapfen können, das aus dem Berg kommt. Ihm werden heilende Kräfte zugeschrieben. Rechts der Blick von der Stadt aus, auf den Hügel mit dem Schloss.

Hier weitere vier Impressionen aus dem schönen Sintra. Die beiden Bilder rechts zeigen das Rathaus aus verschiedenen Blickwinkeln. Wer möchte, der kann Sintra bei einer Kutschfahrt erkunden.

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