Sebastian Steinhäußer´s (alias Seppel) persönliche Renault 20 Geschichte

Mein Vater fuhr von Beginn an Renault. Sein erster war 1963 ein Renault Dauphine. Es folgten ein R8 Major, ein R12, und zwei R16.
Ende 1977 war es mal wieder soweit. Er bestellte, zusammen mit seiner Frau, beim Autohaus Bauer in Oberursel einen neuen Renault 20 TS. Noch bevor der Wagen im März 1978 ausgeliefert wurde, ging die Ehe in die Brüche. Das Auto blieb bei meinem Vater. Schon wenig später lernte er meine Mutter kennen und im Oktober 1979 läuteten die Hochzeitsglocken. Der 20 TS diente natürlich als Hochzeitsauto.

Im Februar 1980 erblickte ich das Licht der Welt. Schon bald wusste ich den Komfort des 20ers zu schätzen. Wenn ich mal nicht einschlafen konnte, was vor allem auf Urlaubsreisen vorkam, musste man mich nur ins Auto setzen und eine Runde um den Block fahren. Schon lag ich im Tiefschlaf.
Große Urlaubsreisen wurden in der Zeit nicht gemacht. Zumeist führten uns unsere Wege zu Verwandten oder an die Nord-, bzw. Ostsee.

Der TS war ein sehr schöner Wagen, den seine dunkelgraue Metallic-Lackierung sehr zierte. Auch die Innenausstattung war nicht, wie für die Zeit üblich, in braun oder grün gehalten, sondern in einem dezenten Grau. Er verfügte schon über für die Zeit untypische Ausstattungsdetails wie 5-Gang-Getriebe, Servolenkung, Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber.

Ich habe nicht so viele Erinnerungen an den Wagen. Ich weiß, dass uns auf einer Urlaubsfahrt mal der Auspuff abgefallen ist und meine Mutter einmal einem Briten, der ihr in einer Autobahnauffahrt ins Auto gefahren ist ohne es zu merken, kilometerweit nachjagte und ihn endlich an einer Tankstelle stellte. Doch schon 1986, nach nur acht Jahren, kam sein Ende. Die braune Pest hatte dermaßen stark zugeschlagen, dass der TÜV seinen Segen verweigerte. Außerdem plante mein Vater eine lange Urlaubsreise nach Großbritannien und traute dem Wagen nicht mehr wirklich über den Weg. So holten wir noch alles aus dem Wagen, was uns brauchbar erschien und dann ging er auf den Schrott. Das einzige, was mir von dem Wagen blieb, ist das Lenkrad und zwei Rücklichter, die ich noch heute besitze.

Als sich das Ende des TS schon abzeichnete, schaute sich mein Vater nach einem adäquaten Ersatz um. Der 25er war ihm zu bieder und ein Fuego erschien ihm nicht gerade als ideales Familienauto. So war klar, dass es wieder ein 20er werden würde. Seine Wahl fiel auf einen zweijährigen 20 TX mit etwas über 30.000 Kilometern auf der Uhr, den er dann auch im März 1986 für 12.000,- DM beim Autohaus Weil in Friedrichsdorf kaufte.
Noch im Sommer fuhren wir mit dem Wagen nach England, besser gesagt nach Wales. Ich weiß nicht mehr, ob wir drei oder vier Wochen unterwegs waren. Auf jeden Fall war der Wagen bis obenhin voll. Alleine das Camping-Equipment nahm den ganzen Dachgepäckträger ein. Die eine Hälfte des Urlaubs verbrachten wir im Zelt, die andere in einem so genannten „Mobile-Home“, einem riesigen, fest installierten Wohnwagen. Der 20er brachte uns störungsfrei hin und wieder zurück. Allerdings zeigten sich in diesem Urlaub erstmals die Nachteile des komfortabel abgestimmten Fahrwerks. Auf den engen, kurvigen Straßen Englands wurde mir auf der Rückbank immer dermaßen schlecht, dass mein Vater nicht gerade selten anhalten musste, damit ich - na ihr wisst schon.


Ein Jahr später fuhren wir an die Ostsee auf einen Bauernhof in Osterbunsbüll. Hier geschah es! Mein Vater ließ mich mehrfach, von seinem Schoß aus, das Auto auf einem Feldweg, der zu dem Bauernhof führte, lenken. Ich war stolz wie Oskar und bin mir sicher, dass das mir meinen Knacks verpasst hat. Der Ziegenbock auf dem Bild hieß Sven und leckte immer das Salz von den Autos (und fraß Zigarettenkippen).
1988 führte der Sommerurlaub in den Bayerischen Wald. Das war ein eher unspektakulärer Urlaub, doch auch hier gab es einen Feldweg ;-). Das erste Bild zeigt den Wagen vor dem „Großen Aber“, auf dem anderen suche ich nach einem Golfball. Wir hatten, wie man sieht, unsere drei Fahrräder mit auf dem Dach, was mein Vater einmal vergaß. Wir fuhren in Passau in ein Parkhaus und plötzlich tat es einen Schlag.
Vatterns Fahrrad flog hinten über das Auto und Mutters Rad verkeilte sich unter dem Garagendach. Hat aber zu keinen größeren Schäden geführt.

Von den darauf folgenden Urlauben existieren leider keine Autobilder. Sie führten uns aber auch nicht weit weg. In einem Jahr ging es an den Bodensee, im anderen wieder an die Nordsee.

Meine Großeltern wohnen in der Nähe von Helmstedt, dem ehemaligen Grenzübergang zur DDR. 1990 unternahmen wir einen Ausflug in den Osten, bei dem dieses Bild entstand.

Der TX war ein problemloses Auto, sieht man einmal von den zahlreichen durchgerosteten Auspuffanlagen ab. Einmal versagte die Lichtmaschine, das war es dann auch. Doch 1993 häuften sich die Probleme. Die Zentralverriegelung streikte und wurde für 800,- DM repariert. Dann war auch noch die Kupplung fällig, eine bei diesem Fahrzeug sehr aufwendige Reparatur.


Da meinem Vater schon länger ein Espace im Kopf rumschwirrte, entschloss er sich, den Wagen wegzugeben. Kurz davor habe ich noch ein paar Fotos gemacht. Wie man sieht, ist der Wagen noch in sehr gutem Zustand. Rostprobleme hatte er nicht. Das einzige, was nicht ging, war der Tempomat. Der Händler, bei dem mein Vater den Espace kaufte, nahm den Wagen für 750,- DM in Zahlung. Der wiederum hat in für 50,- DM weiterverkauft. Dann verlieren sich seine Spuren.

Ich habe meinem Vater das nie verziehen, und der Espace hatte bei mir einen ganz schweren Stand. Den TX habe ich geliebt. Mit dem konnte man so toll angeben. Ich habe immer mit dem „Plip“, der Funkfernbedienung für die Zentralverriegelung rumgespielt. Welches andere Auto hatte das damals schon? Und die Felgen gefielen mir so gut. Der Wagen war einfach toll! So war es klar, dass mir der Wagen nicht mehr aus dem Kopf gehen sollte.



Steckbrief:
Steckbrief:

Model: Renault 20 TS
Erstzulassung: 03.03.1978
Indent.-Nr.: 272208008846
Hubraum: 1.981 cm³ / 4 Zylinder
Leistung: 80kW/109PS
Sonderausstattung: Metalleffekt-Lackierung „Dunkel-Grau-Metall" Nr.674, Radio
Innenausstattung: graues Armaturenbrett, Velourssitze in grau
Neupreis 1978: 17.746,55 DM

 

Besitzer:
1. Besitzer => mein Vater aus Bad Homburg, geb. 1939, von März 1978 - April 1986


Model: Renault 20 TX
Erstzulassung: 30.03.1984
Indent.-Nr.: VF112792?E0000482
Hubraum: 2.150 cm³ / 4 Zylinder
Leistung: 85kW/116PS
Sonderausstattung: Metalleffekt-Lackierung „Apollo Metall" Nr. 490, Kassettenradio und 2. Außenspiegel
Innenausstattung: dkl.-blaues Armaturenbrett, Velourssitze in dkl.-blau, Stoff Nr. 0A
Neupreis 1984: 26.028,- DM, im März 1986 für 12.000,- DM vom Händler gekauft.

Besitzer:
1. Besitzer => Eine Dame aus Friedrichsdorf, geb. unbek., von März 1984 - März 1986
2. Besitzer => mein Vater aus Bad Homburg, geb. 1939, von März 1986 – Okt. 1993
3. Besitzer => unbekannt

Meine Autofahrerkarriere begann mit einem 73er Käfer vom Typ 1303, den ich auch heute noch fahre. Der Käfer war immer mein Lieblingsauto, auch zu Zeiten des TX. Mein Opa fuhr ausschließlich Käfer. Die Form und der Motorklang haben es mir einfach angetan. So war klar, dass mein erstes Auto ein Käfer werden würde.

Mit der Zeit erinnerte ich mich jedoch wieder an unseren alten 20 TX. Ich kramte Fotos hervor und fragte bei unserem Renault-Händler nach, ob er etwas über dessen Verbleib wüsste, was er leider verneinte. Im weiten Umkreis gab es nur noch einen 20er, einen TS in grottigem Zustand. Einmal kam mir ein TX in DER Farbe entgegen. Vielleicht war es unser alter, aber ich konnte nicht drehen und hinterherfahren und habe ihn nie wieder gesehen.

2002 dann , entdeckte ich ... hier geht Seppel´s Geschichte weiter ...und natürlich mit weiteren, schönen Bildern...


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