Die ersten Automobile glichen in ihrer Form eher einer mittels Verbrennungsmotor angetriebenen Kutsche. Heutzutage heißt es ja oft, moderne Autos sähen alle gleich aus. Nun, dieses Argument ist nicht neu. Es wurde schon immer für die jeweils aktuellen Modelle benutzt - zumindest, solange ich mich erinnere.
Wenn man jedoch ehrlich ist, dann glichen sich in den frühen Jahrzehnten des Automobilbau's die Fahrzeuge weitaus mehr, als sie das heute tun.
Ich finde, selbst in den glorreichen 1950er und 1960er Jahren, als die Hersteller, in der Tat, eine sehr individuelle Formenvielfalt schufen, gab es zwischen den Modellen der Marken mehr Parallelen als man bereits ist einzugestehen. Unten ein paar Beispiele:
Jede Epoche hat(te) ihre Stilelemente. Natürlich diktierte der Windkanal die Form der Automobile - spätestens seit den 1970er Jahren. Aber wer die Unterschiede sehen will, der findet sie auch bei den modernen Autos. Wer sie nicht erkennen möchte, der wird sie spätestens dann erkennen, wenn die modernen Autos alt werden - so wie heute die Fahrzeuge aus den 1980ern.
Eine klassische Limousine hatte die Form eines Stufenhecks. Zwar waren käferartige Formen in den 1940er und 1950er Jahren durchaus häufig, aber ihre Funktionalität adaptierten sie aus dem Limousinenbau. Daneben gab es Sportwagen - oft sog. Coupés. Aber es gab auch „Kombinationskraftwagen", besser bekannt als „Kombi". Sie stellen eine Mischung aus Personen- und Lastkraftwagen dar = Kombination. Die Idee der Nutzung von Kombis als Personen- , vielmehr Familienfahrzeuge, stammt sicher aus den USA der 1950er / 1960er Jahre. Europäische Kombis hatten bis in die 1970er Jahre eher das Image eines Handwerkerautos, waren dem entsprechend spartanisch ausgestattet und wurden selten pfleglich behandelt - eben als Nutzfahrzeuge.

In den 1960er Jahren entwickelte Renault ein neues Konzept zur Reife und Serie. Dieses Fahrzeugkonzept wird, wie ich finde, heutzutage fälschlicherweise als „Golfklasse" bezeichnet.
Im August 1961 erschien der Renault 4 (unten links). Ihn würde man sicher eher als einen Kombi bezeichnen, da das bei späteren Modellen flacher gestaltete Schräg- oder Fließheck hier noch sehr steil konstruiert ist.
Im Sommer 1965 stellte Renault dann die nächste Variante vor; den Renault 16 (unten rechts). Das Fließheckdebut in der damaligen Mittelklasse. Hier ist das schräg abfallende Heck deutlich zu erkennen. Dafür wählte ein Gremium in- und ausländischer Motorjournalisten den, so wörtlich: „kombiwagenförmigen" Renault 16, zum Auto des Jahres 1965.

Das neue und revolutionäre war, dass durch das Umlegen oder Ausbauen der hinteren Sitzbank ein weitestgehend barrierefreier Stau- und Gepäckraum entstand, der bequem durch die große Heckklappe zu beladen war. Der Renault 6 ab 1968, wie auch der Renault 5 ab 1972, nahmen diese Idee auf und entwickelten sie weiter.
Wie ich an anderer Stelle schon anmerkte, sollte der Renault 30 (und 20) dieses Fließheckkonzept in die automobile Oberklasse übersetzen. Zwar erschienen mit dem VW Passat 1973 und dem VW Golf 1974 äußerst erfolgreiche Konkurrenten im Fließhecksegment. Aber es kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass der Renault 16 ein Urvater / eine Urmutter für das moderne Fließheck ist.
Eine Ausspruch ist, der insbesondere dem Renault 20 oder 30 zuteil wird: „Guck ´mal, der sieht ja aus, wie ein Passat ?!" Richtigerweise müsste es heißen, dass der Passat wie ein Renault 16 aussieht, denn der kam 1965 auf den Markt. Der VW Passat erst acht Jahre später. Und der Renault 30 und 20 sind die Fortentwicklung des Renault 16 für die automobile Oberklasse der damaligen Epoche gewesen.
Besser zu vergleichen ist der Renault 20 und 30 mit dem Audi 100 Avant (Bild oben links) oder mit dem Simca 1307 /1308 (Bild oben rechts). Der Simca ist es auch, den man am ehesten mit dem kleinen Renault 20 vergleichen kann (L/TL/GTL), das wahre französische Konkurrenzmodell, der annähernd so häufig gebaut (600.000 Mal) und 1976 zum Auto des Jahres gewählt wurde.
Zum Schluss noch zwei weitere Fließheckmodelle aus den 1970ern. Links ein Austin Princess und rechts ein Lancia Beta.

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